Preis-Lawine:

EIN AWARD KOMMT SELTEN ALLEIN

Preise sind heiß gefragt unter Medienmenschen – und es gibt gottlob ziemlich viele.

Österreichs Journalisten werden laufen mit Preisen und diversen
Auszeichnungen überhäuft – mehr als dies in anderen Branchen üblich ist. Für
ihre herausragenden Leistungen werden sie etwa vom Presseclub Concordia,
der Bank Austria, der Journalistengewerkschaft GPA-djp oder dem ÖJC
(Österreichischer Journalisten-Club) belohnt. Diese vier Institutionen vergeben
alljährlich den
— den „Concordia-Publizistikpreis“,
— den „Prof. Horst Knapp-Preis“,
— den „Kurt Vorhofer-Preis“,
— den „Robert Hochner-Preis“,
— den „Dr. Karl Renner-Publizistikpreis“ sowie
— den „Prof. Claus Gatterer-Preis“

Vier Institutionen und sechs Awards – wie passt das zusammen? Also schön der
Reihe nach:

O Der Presseclub Concordia vergibt einmal pro Jahr den „Concordia-
Publizistikpreis“, mit dem hervorragende publizistische Leistungen für
Menschenrechte, Demokratie und insbesondere für Presse- und
Informationsfreiheit gewürdigt werden. Diesen Award, der sowohl an
Journalisten aus dem Printbereich als auch an Mitarbeiter aus dem Bereich der
elektronischen Medien verliehen werden kann, gibt es in zwei Kategorien –
beide sind mit € 3.700,- dotiert: die eine Tranche (Menschenrechte) zahlt die
Bank Austria, die zweite (Pressefreiheit) die „Gemeinnützige Privatstiftung Dr.
Strohmayer“. Ziel ist einerseits, verantwortungsvolle, vorurteilsfreie
publizistische Leistungen im Dienste der Menschenrechte zu fördern und
Diskriminierungen jeglicher Art – ob in religiöser, ethnischer oder
geschlechtsspezifischer Hinsicht – entgegen zu wirken. Anderseits sollen
außerordentliche publizistische Leistungen honoriert werden, die im Dienste
des Rechtes auf Presse- und Informationsfreiheit erbracht werden. Zu den
bisherigen Ausgezeichneten zählen zum einen u.a. Sibylle Hamann, Peter
Resetarits, Nina Horaczek, Petra Ramsauer und Bernt Koschuh und zum
anderen ORF-Größen wie Armin Wolf, Susanne Scholl, Cornelia Vospernik,
Karim El-Gawhary und Rubina Möhring. Obendrein wurden Ehrenpreise an
Oscar Bronner, Anton Pelinka und Hugo Portisch vergeben, Otto Schönherr,
Engelbert Washietl, Gerd Bacher und Hubert Feichtlbauer wurden für ihr
Lebenswerk geehrt.

O Die Bank Austria stiftet seit 1996 jährlich zu Ehren des legendären
Wirtschaftspublizisten gleichen Namens den „Prof. Horst Knapp-Preis“, der mit
6.000 Euro dotiert ist. Eine hochkarätige unabhängige Jury unter Vorsitz von
Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny entscheidet, wer mit herausragenden
Leistungen besonders herausgestochen hat. In der langen Gewinner-Chronik
finden sich beispielsweise Georg Wailand, Margarete Freisinger, Renate
Graber, Michael Nikbakhsh, Hanna Kordik und Christoph Varga – Namen, die
man allesamt längst nicht mehr vorstellen muss.

O Die Journalistengewerkschaft zeichnet Top-Medienleute gleich zweifach
aus, nämlich in Kooperatiom mit der Verbundgesellschaft mit dem „Kurt
Vorhofer-Preis“, der im Gedenken an den langjährigen Leiter der Wiener
Redaktion der „Kleinen Zeitung“ seit 1996 an Printjournalisten verliehen wird,
darunter Engelbert Washietl, Christoph Kotanko, Armin Thurnher, Gerhard
Marschall, Florian Klenk und Anneliese Rohrer. Zugleich vergeben die
Gewerkschafter seit 2005 den nach dem legendären ZiB-Anchorman
benannten „Robert Hochner-Preis“ alljährlich für besonders Leistungen im
Bereich der elektronischen Medien. Das Preisgeld, jeweils 7.500 Euro, wird in
beiden Fällen vom Verbund bereitgestellt. Eine von der Gewerkschaft bestellte
Jury fällt die Entscheidung, die Preisübergabe erfolgt im Regelfall durch den
Bundespräsidenten. Zu den bislang Auserwählten zählen Andreas Pfeifer, Armin
Wolf, Rainer Hazivar, Cornelia Krebs und Bernt Koschuh.

O Last but not least – der ÖCJ, der den Renner- und den Gatterer-Preis vergibt.
Doch ja ist etwas zu klären: Wir sprechen hier zunächst einmal nicht vom
Renner-Preis, der anlässlich des 80. Geburtstags des einstigen
Bundespräsidenten im Jahr 1951 von der Stadt Wien ins Leben gerufen wurde,
alle drei Jahre an Personen oder Personengruppen vergeben wird, die sich um
Wien und Österreich verdient gemacht haben – sei es in kulturellen, sozialen
oder wirtschaftlichen Belangen – und bei dem das Spektrum der Preisträger
riesig ist: Es reichte von Erwin Ringel und der Spanischen Hofreitschule über
Karl Popper und Kardinal Franz König bis zu Vaclav Havel und dem Verein
„Reporter ohne Grenzen“. Wir reden vielmehr von dem seit 1964 vergebenen
„Dr. Karl Renner-Publizistikpreis“, über den sich alljährlich gleich mehrere
Spitzenjournalisten freuen dürfen: In den vergangenen zwanzig Jahren wurde
diese Ehre etwa Heinz Nußbaumer, Hans Rauscher, Friedrich Orter, Andreas
Nowak, Armin Thurnher, Hans Bürger, Kurt Kuch oder Eva Weissenberger
zuteil. Die Auszeichnung erfolgt längst nicht mehr durch die einstige ÖGB-Bank
Bawag und auch nicht mehr durch die Journalistengewerkschaft, sondern durch
den Österreichischen Journalisten Club (ÖJC). Diesem steht ein spendables
Kuratorium zur Seite, dem Großfirmen wie Red Bull, Siemens, Wr. Städtische
oder Uniqa angehören. Aus diesen Geldquellen und vom Land Südtirol wird
auch der mit 5.000 Euro dotierte, seit 1985 verliehene „Prof. Claus Gatterer-
Preis“ für sozial engagierten Journalismus gespeist. Unter die bisherigen
Preisträge haben sich im Laufe der Jahre zum Beispiel Peter Resetarits, Florian
Klenk, Armin Wolf, Margaretha Kopeinig und Nina Horaczek einreihen können.

Diese – wohl begehrtesten – Auszeichnungen sind als öffentliche Anerkennung
meist hervorragender journalistischer Leistungen naturgemäß sehr begehrt.
Und manche Preisträger, beispielsweise „ZiB2“-Star Armin Wolf, haben es
bereits zu einer ansehnlichen Sammlung gebracht, um die sie bisweilen auch
beneidet werden, weil so etwas dem „Marktwert“ gut tut. Erfreulicherweise gibt
es aber noch eine Vielzahl anderer Journalisten-„Orden“: Rot-weiß-rote
Redakteurinnen und Redakteure der obersten Spielklasse können regelmäßig
etwa Awards des Österreichischen Zeitschriftenverbandes, der Südosteuropa-
Gesellschaft, des Instituts der Regionen Europas (IRE) oder des
Frauennetzwerks gewinnen, sie haben die Chance, nach Leopold Kunschak,
Bruno Kreisky, Prälat Leopold Ungar benamste Auszeichnungen zu erhalten,
sie können den Europa-Staatspreis, den Ehrentitel „Journalist des Jahres“ oder
die Julius Raab-Medaille in Gold gewinnen – und wenn sie Glück haben sogar
zum Professor ernannt werden oder das Große Ehrenzeichen der Republik
umgehängt bekommen. Im Prinzip ist bei herausragenden Leistungen alles
möglich – und wer in jüngerer Vergangenheit zum Zug gekommen ist, verrät die
folgende Übersicht, bei der die diesbezüglich führende Fachzeitschrift „Der
Österreichische Journalist“ wertvolle Detailinformationen geliefert hat: