Unter der Lupe:

DIE SHERIFFS DER BRANCHE

Die Presse, die PR-Branche und die Werbeagenten werden von drei strengen Instanzen kontrolliert.

A red

Ein angesehener EuGH-Richter a.D., ein emeritierter Uni-Professor in Sachen Publizistik und ein selbstständiger Werbe- und Marketing-Berater  – dieses Trio zählt zu den wichtigsten Aufpassern der  Medien-, PR- und Werbeszene: Der Topjurist Peter Jann, der 17 Jahre lang Mitglied des Verfassungsgerichtshofes  und von 1995 bis 2009 Richter am Luxemburger EU-Gerichtshof tätig war,  fungiert beim Österreichischen Presserat als Vorsitzender des Senats Eins. Professor Thomas A. Bauer ist oberste Instanz des PR-Ethik-Rats. Und Michael Straberger, Geschäftsführer von Straberger Conversations,   schaut als Präsident des Österreichischen Werberats den Kreativen federführend auf die Finger. Die gemeinsame Mission dieser drei Institutionen besteht darin, für Ordnung und Sauberkeit in der Branche zu kämpfen und alles Böse und Unseriöse vehement zu bekämpfen.

Der Österreichische Presserat – exakt: Verein zur Selbstkontrolle der österreichischen Presse – kümmert sich zugleich um die redaktionelle Qualitätssicherung, die Gewährleistung der Pressefreiheit sowie um die Einhaltung eines „Ehrenkodex“ für Journalisten, der so etwas wie eine ethische Richtschnur sein soll. Seine Hauptaufgabe besteht darin, Missstände im Pressewesen aufzuzeigen und etwa dann einzuschreiten, wenn Redakteure beispielsweise gegen die gängigen Spielregeln für verantwortungsvolles journalistisches Handeln verletzen. Die Trägerorganisation des Presserats, gebildet aus den wichtigsten Journalisten- und Verlegerverbänden des Landes, besetzt als administratives Gremium zwar die zuständigen Senate, entscheidet jedoch nicht über die einlangenden Beschwerden – das erledigen die unabhängigen und weisungsfreien Senate, bestehend aus jeweils sieben Mitgliedern sowie vier Ersatzmitgliedern. Die Senatsvorsitzenden sind rechtskundige Personen, etwa Peter Jann, die Senatssprecher und alle weiteren Mitglieder hingegen Journalisten. Beschwerden können nur von Personen eingebracht werden, die von der inkriminierten Berichterstattung individuell betroffen sind. In machen Fällen werden zwei Ombudsleute in Gestalt von Elisabeth Horvath und Hannes Schopf beauftragt, eine einvernehmliche Lösung zwischen Beschwerdeführer und dem betroffenen Medium zu finden.

Auch der Österreichische Ethikrat für Public Relations ist als Organ der freiwilligen Selbstkontrolle der hier zu Lande tätigen PR-Fachleute bestrebt,  die Einhaltung ethischer Grundsätze in der Öffentlichkeitsarbeit zu überwachen und zu fördern. Er untersucht etwa auf Antrag von Beschwerdeführern, aber auch auf eigene Initiative strittige Vorgänge und Verhaltensweisen im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Als Grundlage seiner Bewertung im konkreten Fall dienen die Ehrenkodizes der PR-Branche, die Verhaltensregeln der heimischen Berufsverbände sowie die geltenden Gesetze. Das seit Dezember 2008 bestehende Gremium agiert dabei weisungsfrei und unabhängig von seinen Trägerverbänden. Seine Tätigkeit ist auch nicht auf die Mitglieder dieser Verbände beschränkt, sondern erstreckt sich auf das gesamte Feld der öffentlichen Kommunikation. Jeder, der ein Fehlverhalten im PR-Bereich aufzeigen möchte, kann sich per Post oder Mail an den Ethik-Rat wenden. Die anschließenden Verfahren sind für alle Beteiligten kostenlos. Sobald ein Fehlverhalten erwiesen ist, werden die Verantwortlichen ermahnt oder gerügt. Derartige Entscheidungen werden in der Regel publiziert.

Schließlich kämpft auch der Österreichische Werberat, dessen Trägerverein die „Gesellschaft zur Selbstkontrolle der Werbewirtschaft“ ist, gegen alle erdenklichen Regelverstöße am Werbemarkt und versteht sich dabei sowohl Sprachrohr der werbetreibenden Wirtschaft als auch der Konsumenten. Die Werberäte üben als unabhängiges, nicht weisungsgebundenes  Beurteilungsorgan die exekutive Selbstkontrolle aus, die auf dem Ethik-Kodex der Werbewirtschaft basiert. Jede für eine Causa zusammengesetzte Jury zeichnet sich durch Meinungsvielfalt und Unabhängigkeit aus, denn zur Auswahl stehen immerhin 212 Personen des so genannten Entscheidungsgremiums.

 

Viele „Freisprüche“
Die drei Institutionen entfalten in der Praxis eine recht unterschiedliche Tätigkeit: Der Presserat etwa macht das, was er tut, pro Jahr in rund 40 Presseaussendungen und 80 Mitteilungen dingfest – im Negativen wie im Positiven. Im Jahr 2015 hat er sich mit diversen Medien befassen müssen, wobei es häufigsten um die „Krone“, die alles in allem schon ungefähr 50 Mal verurteilt worden ist, die Gratisgazette „Heute“ und um das Magazin „profil“ ging, aber auch  „Der Standard“, „Österreich“, ja selbst das „Gailtal Journal“ hatten Stoff für Untersuchungen geliefert.  Mehr Expertisen als anzunehmen wäre sind letztlich glatte Freisprüche: So sei es naturgemäß gestattet, ein Foto von einer FPÖ-Demonstration vor einem Asylantenheim zu veröffentlichen, der „Vorwurf der geistigen Umnachtung an eine Politikerin wegen Parteiwechsels sei zulässig, und der Begriff „Flüchtlingstsunami“ sei durchaus nicht diskriminierend.  Andere Sprüche strotzen indes geradezu vor ethischer Abscheu: Die „Heute“-Formulierung „Killer aus dem Cockpit mit teuflischem Plan“ verstoße beispielsweise gegen den Ehrenkodex, die „profil“-Textstelle, wonach FPÖ-Sympathisanten „die hässlichsten Menschen Wiens“ wären, sei verboten, und „Gefälligkeitsinterviews mit Unternehmenschefs“ seien eben so wenig tolerabel.

omino bianco con transenna e segnale pericolo

Der PR-Ethikrat hingegen begnügt sich auf seiner Homepage mit Hinweisen auf nicht einmal  15 Beschwerdefälle: Dabei ging es zum Beispiel um den Verdacht auf nicht gekennzeichnete Einschaltungen – in keinem Fall wurde ein Verstoß festgestellt – , oder um den Verdacht auf unzulässige Koppelungsgeschäfte – diesbezüglich gab es zwei Rügen – , oder um den Verdacht auf Rufschädigung durch „beleidigende Beiträge“ – da fühlte sich der PR-Rat letztlich nicht zuständig. In einem Fall triumphierten die Aufpasser in zweiter Instanz vor dem Oberlandesgericht Wien gegen „Österreich“, nachdem das Gratisblatt Erkenntnisse des PR-Rats nicht hatte zur Kenntnis nehmen wollen. Weiters war es ihnen vergönnt, eine Social Media-Agentur und sieben ihrer Kunden zu rügen, weil Userinnen und User in großem Stil durch gefälschte Postings gezielt getäuscht wurden.

Der besonders fleißige Werberat schließlich setzt sich im Laufe eines Jahres mit mehr als 200 Branchentroubles auseinander, wobei Firmen wie tele.ring, Mömax, McDonald‘s, Kika/Leiner oder in naher Vergangenheit gleich mehrmals Anlass für Beanstandungen geboten haben. Andere  Causen drehten sich häufig um den Verdacht auf frauenfeindliche bzw. sexistische Sujets, um angeblich pietätlose Plakate, die Diskriminierung von Sportarten oder um als Meinungsumfrage getarnte Werbung. Auch die Werbe-Kontrollore entscheiden – so wie der Presserat – oftmals auf Freispruch, weil gar nicht so wenige Beschwerdeführer halt doch bisweilen recht komische Käuze mit einigermaßen verbohrten Ansichten und Einstellungen sein dürften, weniger höflich formuliert: notorische Querulanten, rechthaberische Besserwisser und selbst ernannte Weltverbesserer eben. Daher bleibt im Ernstfall  nicht viel anderes übrig, als etwa ein Fotomotiv, mit dem angeblich speziell Frauen geködert werden sollen,  samt der Textpassage „anfassen erlaubt“ einfach unbeanstandet, also durchgehen zu lassen. Mehr Nachdruck ist in anderen  Fällen zu bemerken, wenn einem Beschwerdeführer etwa in der Mömax-Werbung eine Frau mit Bohrer im Kopf auf die Nerven geht. In solchen Situationen wird das werbetreibende Unternehmen, beinahe routinemäßig, mit dem Stehsatz aufgefordert, „in Zukunft bei der Gestaltung von Werbemaßnahmen sensibler vorzugehen“. Extremfälle wie jener des Klagenfurter Frisiersalons, der auf einem Plakat Männer und Hunde willkommen hieß, Frauen aber nicht, werden schließlich streng geahndet: Da fordert der Werberat den „Sünder“ beinhart auf, die Kampagne sofort zu stoppen oder das beanstandete Sujet umgehend zu wechseln.

Fazit: Wie effizient die drei Aufpasser-Institutionen im Endeffekt arbeiten und ob sich der gewiss große Aufwand auch lohnt, um die Welt der heimischen Medien, PR-Leute und Werbeagenturen zu verbessern, das möge jeder für sich entscheiden. Uns obliegt es nur, die personellen Besetzungen vor den Vorhang zu bitten. 

 

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick, wie großzügig die drei Kontrollorgane besetzt sind:

PRESSERAT

PresseratLogo
Präsidentin: Astrid Zimmermann, Generalsekretärin des Presseclubs Concordia
Vizepräsident: Günter Greul, ÖZV
Geschäftsführer: Mag. Alexander Warzilek

Senatsmitglieder
Senat 1
Vorsitzender: Dr. Peter Jann, EuGH-Richter a.D.       

Senatssprecherin: Dr. Tessa Prager, „News“
Senatsmitglieder:
Mag. Carmen Baumgartner-Pötz, „Tiroler Tageszeitung“
Dr. Ilse Brandner-Radinger, freie Journalistin
Dr. Anita Staudacher, „Kurier“
Paul Vécsei, „Wiener Zeitung“
Eva Weissenberger, „News“                                                                                                                                        Ersatzmitglieder:
Dr. Stefan Lassnig, „Bezirksblätter“ (stv. Vorsitzender)

Mag. (FH) Ingrid Brodnig, „profil“
Dietmar Mascher, „OÖ. Nachrichten“
Renate Graber, „Der Standard“

Senat 2
Vorsitzende: Mag. Andrea Komar

Senatssprecher: Dr. Andreas Koller, „Salzburger Nachrichten“
Senatsmitglieder:
Dkfm. Milan Frühbauer, Manstein Verlag
Arno Miller, freier Journalist
Mag. Duygu Özkan, „Die Presse“
Hans Rauscher, „Der Standard“
Erich Schönauer, „Kronen Zeitung“
Ersatzmitglieder:
Mag. Benedikt Kommenda, „Die Presse“ (stv. Vorsitzender)

Mag. Barbara Eidenberger, „OÖ.Nachrichten“
Eva Gogala, „Kurier“
Mag. Ina Weber, „Wiener Zeitung2

Senat 3
Vorsitzende: Dr. Irmgard Griss, OGH-Präsidentin a.D.
Senatssprecher: Dr. Wolfgang Unterhuber, RMA
Senatsmitglieder:
Nina Brnada, „Falter“
Martin Gebhart, „NÖN“
Mag. Heide Rampetzreiter, „Die Presse“
Christopher Wurmdobler, „Falter“
Christa Zöchling, „profil“
Ersatzmitglieder:
Mag. Dejan Jovicevic, „Die Presse“ (stv. Vorsitzender)

Andreas Feiertag, „Vorarlberger Nachrichten“
Mag. Alexandra Parragh, „Salzburger Nachrichten“
Wolfgang Sablatnig, BA, „Tiroler Tageszeitung“

KONTAKT:
Österreichischer Presserat         
Verein zur Selbstkontrolle der österreichischen Presse – Österreichischer Presserat
Franz-Josefs-Kai 27, 1010 Wien
Tel.: +43 (0)1 -23 699 84 – 11
E-Mail: info@presserat.at
Website: www.presserat.at/

PR-ETHIKRAT

PR-Ethik-Rat

Obfrau: Gabriele Faber-Wiener, MBA, Center for Responsible Management  / PRVA                                                  Obfrau-Stellvertreterin & Kassierin: Maria-Anna Helmy, MAS, Industriellenvereinigung
Obfrau-Stellvertreterin & Schriftführerin: Susanne Hudelist, IKP Wien, PRQA-Geschäftsführerin
Vorsitzender: emer. o.Univ.-Prof. Dr. Thomas A. Bauer, Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Universität Wien
Stv. Vorsitzende:  Mag. Brigitte Mühlbauer, asoluto – public + interactive relations /PRQA
Josef Barth, Pick & Barth Digital Strategies
Dr. Barbara Helige, Vorsteherin des Bezirksgerichts Döbling, ehem. Präsidentin der Österreichischen Richtervereinigung
Mag. Michaela Huber, OMV Aktiengesellschaft 

Peter Kleemann, MAS, Flughafen Wien AG
Christian Kollmann, communication matters
Mag. (FH) Christian Schrofler, Marketing- und Kommunikationsberater, Vikom-Präsident
Mag. Michael Opriesnig, stv. Generalsekretär, Österreichisches Rotes Kreuz
Mag. Peter Steinberger, Domsich & Steinberger Beratung 
Doris Christina Steiner, MA, Ketchum Publico

KONTAKT:
Österreichischer Ethik-Rat für Public Relations
Makartgasse 3, 1010 Wien

Tel.:  +43 (0)676 – 61 99 594
E-Mail: office@prethikrat.at
Website: www.prethikrat.at

WERBERAT 
Werberat-Logo

Geschäftsführerin: Andrea Stoidl
Präsident: Michael Straberger, Straberger Conversations
Vizepräsidentin: Roswitha Hasslinger, Hasslinger – Consulting
Vizepräsidentin: Mag.a Felicitas Moser, Verband der österreichischen Zeitungen
Vizepräsident: Thomas Prantner, ORF

12 weitere Vorstandsmitglieder, z.B.
Mag. Dieter Henrich, Verband der Regionalmedien
Rudi Kobza,   IAA Austrian Chapter 
Peter Lammerhuber,  Interessensgemeinschaft der Medienagenturen                

Entscheidungsgremium:
212 Personen aus den drei Kernbereichen – Medien, Agenturen, Auftraggeber – sowie Repräsentanten aus anderen Disziplinen und Spezialgebieten, wie Anwälte, Psychologen und Wissenschafter

Beispiele:
Helmut Hanusch, Verlagsgruppe News
Thomas Kralinger, Mediaprint
Karl Javurek, Gewista
Walter Zinggl, IP Österreich
Peter Drobil, Unicredit – Bank Austria
Leodegar Pruschak, Raiffeisen Zentralbank
Joachim Feher, Mediacom
Friederike Müller-Wernhart, Mindshare
Dr. Thomas Höhne, Anwalt
Mag. Barbara Posch, Werbeakademie
Regina Preloznik, Media Trainer 

KONTAKT:
Österreichischer Werberat
Verein Gesellschaft zur Selbstkontrolle der Werbewirtschaft

Wiedner Hauptstraße 57 / III, 1040 Wien
Tel: +43 (0) 5 90 900 – 3577
E-Mail: office@werberat.at
Website: www.werberat.or.at