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Kommentar aus "Business People"

DIE FACEBOOK-REVOLUTION

von Peter Muzik

Business People

Er ist erst 26, hat aber innerhalb weniger Jahre etwas geschafft, was bislang beispielsweise nur ganz wenigen Staatsmännern in einer langen Amtszeit gelungen ist: Der amerikanische Internet-Tycoon Mark Zuckerberg konnte globale Spuren hinterlassen und die Welt der Kommunikation und Information beträchtlich verändern. Er ist der Kopf eines internationalen Internet-Netzwerks, dem bereits mehr als 500 Millionen Mitglieder angehören. Wäre die von ihm gegründete Facebook Inc. im kalifornischen Palo Alto ein Staat, dann würde sie nach China und Indien schon der bevölkerungsreichste sein. facebook.com ist mittlerweile zur weltweit meist besuchten Website geworden, noch größer als Google, und lässt Rivalen wie Twitter, MySpace, LinkedIn oder Xing ziemlich alt aussehen. Der Wert der inzwischen hochprofitablen Social Media-Company, die heuer umsatzmäßig locker die Zwei-Milliarden-Dollar-Marke knacken sollte, wird nach dem kürzlich erfolgten Einstieg der US-Großbank Goldman Sachs auf irrwitzige 50 Milliarden Dollar geschätzt.

Die Facebook-Mania hat längst auch Österreich erfasst: Rund 2,3 Millionen Bürgerinnen und Bürger, altersmäßig fast durchwegs zwischen 14 und 49, zählen mittlerweile zur Community. Der Web-2.0-Gigant rangiert damit zwar noch hinter der auflagenstärksten Tageszeitung des Landes - die „Krone“ schafft mit 2,8 Millionen LeserInnen die Rekord-Reichweite von nahezu 40 Prozent -, doch die klassischen Printmedien, die immer noch für drei von vier ÖsterreicherInnen als unverzichtbar zu gelten scheinen, geraten zusehends unter Druck: Vor allem jüngere Zielgruppen, besonders die Digital Natives, haben scheinbar von der konfektionierten Einweg-Kommunikation genug und wenden sich in Scharen von den immer gleichförmiger werdenden Buchstaben-Wüsten auf Zeitungspapier ab. Sie schaffen sich lieber einen eigenen virtuellen Lebensraum, wo die Übergänge zwischen Internet und Realität fließend sind. Und investieren ungleich mehr Zeit als für eine Zeitung, um nach Herzenslust und Stimmungslage Kontakte zu knüpfen, Freunde zu suchen, Kommentare von formulieren, zu chatten, posten oder bloggen. Aber auch ältere Zeitgenossen - etwa die Generation 50plus - entdecken mit zunehmender Begeisterung den Reiz, den der neue Massensport per Notebook verheißt. Selbst internet-affine Pensionisten sind - womöglich um der Einsamkeit zu entfliehen - bereits reihenweise in die abenteuerliche Cyberworld eingetaucht. Sie betätigen sich im kommunikativen Neuland ebenso beherzt, nicht selten auch ratlos oder unbeholfen, wie beispielsweise rot-weiß-rote Unternehmen, Verbände oder sonstige Institutionen, die allesamt erkannt haben, dass dieser zukunftsträchtige Zug nicht ohne sie abfahren sollte.

Die Chancen für Unternehmen, im Social Web zu reüssieren, sind mannigfaltig, wie etwa das Beispiel Tourismusbranche zeigt. Voraussetzung: Die Firmenchefs müssen zunächst einmal bisweilen diffuse Ängste (etwa vor Datenmissbrauch) sowie latente Zweifel (nicht zuletzt am Nutzen) besiegen; und obendrein bereit sein, sich das nötige Know-how anzueignen. Ein Facebook-Account des Geschäftsführers allein, mit spärlichen Ego-Meldungen und einer leeren Fanpage, kann nämlich garantiert keine Wunder wirken. Nur wer die neuen Spielregeln der Social Websites kennt und klare Firmenziele zu einer optimalen Strategie verpackt, kann Erfolg haben. Nämlich seine Marke bekannter machen, die Reputation festigen, eventuell auch den Umsatz steigern, die Zufriedenheit seiner Kunden erhöhen und sich zugleich als attraktiver Arbeitgeber positionieren. Dabei wird man ziemlich rasch erkennen, dass Marketing ohne soziale Netzwerke künftig undenkbar sein könnte. Denn Empfehlungen von Freunden oder Bekannten spielen bei Kaufentscheidungen schon jetzt eine größere Rolle als die klassische Werbung. Dieser vertrauen die User in der Regel nämlich weniger als ihrem interaktiven, persönlichen Netzwerk.

Der junge US-Dollar-Milliardär Mark Zuckerberg hat also nicht nur das Leben von Millionen Facebook-Freaks massiv verändert, indem er aus jedem einzelnen eine Art Medium machte, sondern auch das gängige Kommunikationsverhalten der „alten“ Wirtschaft - weil der Kunde jetzt tatsächlich König sein kann. Vor allem für jene Unternehmen, die bislang noch nicht einmal eine halbwegs passable Homepage zu Stande gebracht haben, markiert diese Revolution eine nächste - ungleich größere - Herausforderung. In vielen Chefetagen, aber auch in Kommunikations-, Marketing-, Vertriebs- und Personal-abteilungen ist folglich ein rigoroses Umdenken angesagt - ohne allzu langes Zaudern, aber auch ohne ratlose Hysterie. Firmen, die zu spät kommen, könnten verdammt rasch auf der Strecke bleiben.

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