Das soziale Mega-Netzwerk von Mark Zuckerberg ist für viele Unternehmenen eine riesige Herausforderung
FACEBOOK & CO FÜR VIELE FIRMEN NOCH NEULAND
von Peter Muzik
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Wien. Mark Zuckerberg, kürzlich zur Person of the Year 2010 des US-Magazins "Time" gekürt, hat es geschafft: Sein soziales Netzwerk Facebook überholte erstmals den Suchmaschine-Giganten Google und ist laut der New Yorker Forschungsfirma Experian Hitwise die weltweit meist besuchte Website. Mit fast neun Prozent aller Seitenaufrufe ist sie der meist gesuchte Begriff im Internet.
Der 26-jährige Firmengründer und Chef der im kalifornischen Palo Alto ansässigen Facebook Inc. hat in sieben Jahren ein globales Netzwerk auf die Beine gestellt, das mehr als 500 Millionen Mitglieder zählt und die Kommunikation revolutioniert hat.
Während Jimmy Wales, der die kostenlose und werbefreie Online-Enzyklopädie Wikipedia erfand, seine 400 Millionen User laufend um Spenden ersucht, um über die Runden zu kommen, hat Zuckerberg nichts gegen Profit: Sein Unternehmen lebt von Werbung und setzte 2010 laut Analysten weit über eine Milliarde Dollar um – exakte Zahlen werden prinzipiell nicht veröffentlicht.
Im September 2010 landete Zuckerberg im "Forbes"- Ranking der reichsten Amerikaner mit 6,9 Milliarden US-Dollar noch auf Rang 35. Jetzt wird sein Vermögen bereits auf 14 Milliarden Dollar geschätzt. Laut den US-Marktforschern Nyppex stieg der Firmenwert nämlich allein im letzten Halbjahr um 56 Prozent auf 41 Milliarden Dollar. Und kurz nach Jahresbeginn kündigten die US-Großbank Goldman Sachs sowie die russische Digital Sky Technologies an, sich mit 500 Millionen Dollar an Facebook zu beteiligen. Der Firmenwert steigt damit auf 50 Milliarden Dollar. Zuckerberg selbst hält noch 24 Prozent. "Die aktuelle Bewertung ist irre, auch wenn Goldman Sachs immer noch damit Geld verdienen könnte", sagt Thomas Heilmann. Der deutsche Mitbegründer der Werbeagentur Scholz & Friends hat seine Facebook-Anteile "im Promille-Bereich" Ende 2010 verkauft.
Der 2000 Mitarbeiter zählende Konzern stellt alle Rivalen in den Schatten: Die auf Microblogging spezialisierte Twitter Inc. in San Francisco etwa wird auf 3,7 Milliarden Dollar Marktwert taxiert. Sie verstärkte sich eben um 200 Millionen Kapital und peilt heuer eine Umsatzverdopplung auf 300 Millionen Dollar an. Die Website Myspace, die erst vor zwei Jahren von Facebook überholt wurde, das populärste Internet-Videoportal YouTube oder das auf die Suche von Mitarbeitern angelegte Netzwerk LinkedIn rangieren mit Respektabstand unter ferner liefen.
Red Bull ist Pionier
In Österreich ist Facebook unangefochtene Nummer eins: Mit 2,27 Millionen rot-weiß-roten Usern steht es allein auf weiter Flur. Zuckerbergs Fangruppe ist seit Anfang Oktober um rund zehn Prozent gewachsen. Sie besteht nicht nur aus Privatpersonen, sondern zunehmend aus Unternehmen: Red Bull, Swarovski, KTM Racing und Bipa sind jene Betriebe, die laut "Social Media Radar" auf Facebook die meisten Fans haben. Der Energy-Drink darf sich über 14 Millionen Freunde freuen. Mit Respektabstand folgt Billa, seit kurzem Teil der Community. Die Lebensmittelkette spendete für die ersten 50.000 Fans eben so viele Euros an die Kinder-Krebs-Hilfe. Cineplexx, Stiegl Bier und Media Markt belegen die nächsten Ränge, klar hinter Medienunternehmen wie Hitradio Ö3 und FM 4.
Auf 4,3 Prozent Reichweite bringt es die deutsche Social Media-Plattform Xing, die etwa gleichauf mit Twitter liegt: twitter.com wird von 35.000 Österreichern genutzt, wobei 16.000 als aktive Accounts gelten. Besonders beliebt sind bei Twitter "Old-Media"-Persönlichkeiten, die crossmedial denken: Die ORF-Stars Armin Wolf und Ingrid Thurnher, die "News"-Journalistin Corinna Milborn sowie einige Tageszeitungs-Redaktionen erfreuen sich ebenso wie professionelle Blogger einer beachtlichen Akzeptanz.
Die Performance der übrigen Plattformen sieht eher alt aus: Im Vorjahr verloren Myspace, Netlog, Szene1.at, studiVZ und meinVZ allesamt an Reichweite. Nur LinkedIn blieb bei bescheidenen 1,7 Prozent konstant. Während private User wie der twitternde Society-Löwe Dominic Heinzl oder Institutionen wie Attac Austria, Greenpeace und Österreich Werbung fleißig posten, bloggen und chatten, tun sich viele Unternehmen schwer, kommunikatives Neuland zu betreten.
Muntere Experimente
Für Betriebe, die noch nicht einmal eine passable Homepage zu Stande gebracht haben, stellen die Social Media die nächste Herausforderung dar. Zwar haben viele begriffen, dass Facebook, Twitter & Co. große Chancen bieten – von Reputations-Management bis zur Kundengewinnung. Dennoch stehen insbesondere KMU dem Phänomen mit einem Mix aus Ehrfurcht, Angst, Ratlosigkeit und Unwissen, gegenüber. Ein Web-2.0-Consulter, der lieber anonym bleiben möchte, sagt: "Die Ahnungslosigkeit in den Chefetagen ist gewaltig – deshalb werden viele gar nicht aktiv, andere wieder experimentieren drauf los, ohne ein schlüssiges Konzept zu erstellen."
Auch wenn für Marketingleiter wie bei T-Mobile klar ist, dass Social Media in Kampagnen einzubeziehen sind, waren bisher nur Testläufe zu erkennen und nicht immer durchdachte Strategien. Die Austrian Airlines etwa luden Facebook-User ein, Freunden eine Schneekugel zu schenken, damit diese einen Flug in eine Metropole gewinnen können. Der Salzburger Spar-Konzern versorgt seine Fans via Twitter mit Nachrichten in Echtzeit und lässt sie so wissen, dass er den Tierschutzpreis "Das Goldene Ei 2010" gewonnen hat oder eine "innovative Bananenreiferei in der Steiermark eröffnet".
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