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P&M in den Medien

DIE VERKAUFTEN TITELSEITEN

Der XXXLutz tut es, H & M tut es, die ÖBB tut es, die Rewe Group tut es, und die Raiffeisen Bank International tut es natürlich auch. Sie alle haben schon einmal die Titelseite einer Tageszeitung gebucht, damit die volle Aufmerksamkeit des Publikums auf sich gezogen und zugleich die Schlagzeilen des Tages ins Blattinnere verdrängt. Gerade in jüngster Zeit war dieses früher undenkbar erscheinende werbliche Phänomen mehrfach zu beobachten, etwa in der „Krone“, aber ebenso in Qualitätszeitungen wie „Standard“ und „Presse“, nicht zuletzt auch im „Kurier“ und im „WirtschaftsBlatt“. Dem Vernehmen nach sind zahlreiche LeserInnen über die fast schon bedrohliche Kommerzialisierung im Mediengeschäft nicht besonders glücklich, aber in den Chefbüros der Verlagshäuser, die ohnedies etliche Sorgen haben, wird das anders gesehen.

Krone Titelseite

Schließlich ist der Kunde König, und wenn ihn einmal nach besonderen Werbeformen gelüstet, dann kann ihm schon jede Anzeigenabteilung umgehend helfen. In solchen Fällen wird die Seite eins, sozusagen das Gesicht jeder Zeitung, gnadenlos von jedweden Informationen befreit und steht zu gepfefferten Tarifen zahlungswilligen Unternehmen exklusiv zur Verfügung.

Was die damit machen? Na zum Beispiel wartete die Rewe Group
Mitte September 2010 auf einem „Presse“-Cover mit der Meldung „Nachhaltigkeit rechnet sich“, um gleich darunter mitzuteilen, dass sie „Nummer eins im Lebensmittelhandel“ sei. XXXLutz benützte am Nationalfeiertag die „Krone“, um dort feierlich kundzutun, dass es anlässlich der Eröffnung in Schweden „10.000 einmalige Eröffnungsangebote“ gebe. Anfang Dezember nahm die ÖBB die Chance wahr, um im „Kurier“ geradezu epochal anmutende Slogans wie „Bahnfahren ist ÖBB“, „Die ÖBB bringen Sie weiter!“ oder „Bahnfahren ist was Österreich bewegt“ zu verbreiten.

Kurier ÖBB Inserat

Standard H&M Inserat

Presse Rewe Group Inserat

Presse Anzengruber

WirtschaftsBlatt Haselsteiner

Standard Ruttenstorfer

Der wohl spektakulärste Werbe-Auftritt gelang am 11. Oktober 2010 der neu formierten Raiffeisen Bank International, die eine Idee ihrer Agentur Ogilvy realisierte: Auf den Titelseiten von gleich vier Tageszeitungen wurden die Porträts von Wirtschaftskapazundern wie Hans Peter Haselsteiner (Strabag), Wolfgang Ruttenstorfer (OMV) und Wolfgang Anzengruber (Verbund) großflächig verewigt. Diese spendeten dem Institut dafür aus Kundenperspektive einen einzigen Satz Lob.

Die Preise für derartigen Aktionismus sind zumeist nirgends nachzulesen, sondern werden in der Regel auf Anfrage dezent ausgehandelt. Relativ günstig bietet diesbezüglich das „WirtschaftsBlatt“ an, das eine so genannte Aussenflappe“ schon für 36.000 Euro feilbietet. Die Seite eins - mit Ausnahme des Titelkopfes - samt Rückseite stehen damit Werbekunden zur Verfügung, die sich auf dieser Werbefläche nach Belieben austoben darf.

Bei jenen Blättern, die eine weitaus größere Auflage ausweisen können, wird der Spaß naturgemäß allerdings deutlich kostspieliger - schließlich beträgt ja schon der Tarif für ein normales ganzseitiges Inserat etwa in der Samstag-Ausgabe des „Standard“ 24.290 Euro, in der „Presse“ laut offiziellen Angaben zwischen 24.917 Euro (Top-Platzierung) und 28.415 Euro (Premium-Platzierung). Aber nachdem manche Inserenten auf die Devise
„Auffallen ist alles“ schwören, bereitet ihnen der doch beachtliche
Aufwand offenbar wenig. Die Zeitungen wiederum sind glücklich über derartige Sondereinnahmen - leider bleiben dabei ihre LeserInnen auf der Strecke. Womit die Frage beantwortet ist, ob gute Inserenten den Zeitungen lieber sind als treue Abonnenten...

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